Kick auf dem Marktplatz

Fußballturnier für Fairness und Toleranz

Von der WM-Feierlaune in Stuttgart wurde der Marktplatz bisher wenig erfasst. Zwei Straßenfußballturniere brachten am Samstag aber Leben vor das Rathaus.

Der Ball ist auch hier rund, doch ein Spiel dauert nur sechs Minuten. Bei den Straßenfussballturnieren von „Kick mit" und „Kick Forward" geht es schnell hin und her. Gespielt wird in zwei Altersklassen - elf bis 14 und 15 bis 18 Jahre - auf einem Kleinfeld mit Bande und ohne Torwart. „Da reichen sechs Minuten", sagt Uwe Jaeger, Sportpädagoge des Sportkreises Stuttgart.

Der Sportkreis und der Stuttgarter Jugendhausverein haben das Turnier mit orga-
nisiert. 26 Stuttgarter Mannschaften kämpfen um den Sieg. Natürlich geht es um den Spaß am Spiel. Doch die Jugendlichen sollen im Turnier auch lernen, sich selbst zu organisieren und andere zu tolerieren.

Für das Turnier„ Straßenfußball für Toleranz" haben sich die Sieger von 14 landesweit ausgespielten Vorrunden qualifiziert. Bei dem Projekt des Landessportverbands Baden-Württemberg geht es nicht nur um die sportliche Leistung, sondern vor allem um Fairness und Gemeinschaft.

In jedem Team spielt mindestens ein Mädchen mit, das mindestens ein Tor schießen muss. Sonst zählen weitere Treffer ihrer Mitspieler nicht. Außerdem werden nicht nur Punkte für den Sieg, sondern gemeinsam, von allen Teams auch Fairnesspunkte vergeben. Bei diesem Modus ist Fairness nicht nur ein loses Lippenbekenntnis.

VON DIRK SONNTAG, Stuttgarter Nachrichten 3.07.06

 

Siegen ist nicht alles

Viel Spaß bei „Kick mit"

Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Die Jugendlichen in ihren bunten Nationaltrikots lassen das Bällchen laufen, dass einem schwindelig wird. Und das auf engstem Raum. Fünf gegen fünf auf einem 15 Meter langen Feld erfordert einiges an Ballgefühl.

Aber die Jungs, die am Samstag bei „Kick mit - Fußball verbindet", einer Art Stadtbezirksmeisterschaft, dabei waren, die haben das.Angeeignet in fast 30 Qualifikationsturnieren seit letztem Herbst, brillieren sie nun bei den Finalspielen in der Turnhalle des Zeppelin-Gymnasiums. Frei Schnauze wird da gedribbelt, getänzelt und getunnelt, dass es jedem Vereinstrainer die Zornesröte ins Gesicht treiben würde ob so viel (brotloser) Kunst. Was hier geboten wird, mag ineffektiv sein, Spaß macht es allemal.

Genau das lieben die Kids zwischen 14 und 17 Jahren an der vom Sportkreis und Jugendhaus Stuttgart ausgerichteten Turnierserie. Sie dürfen, wie sie wollen, ohne dass Trainer oder Betreuer ihre Spielkunst mit taktischen Zwängen malträtieren würden. Es gibt nämlich überhaupt keine Trainer oder Betreuer. Dahinter steckt die Idee der Veranstalter, die Jungkicker sich selbst zu überlassen.

Thomas Krombacher vom Sportkreis erklärt: „Wir schreiben nur die Schulen und Jugendhäuser an. Um alles andere müssen sich die Teams selbst kümmern."Die Serie, die ähnlich einer Meisterschaft über ein Jahr hinweg jeden Samstag ausgespielt wird, erfordere für so einen jungen Haufen einiges an Disziplin, beschreibt Marcus Weber vom Jugendhausverein den pädagogischen Hintergrund.

So nimmt den Jungs, anders als im Verein, niemand die Organisation von An- und Abreise ab. Auch während des Turniers sind die Ballzauberer auf sich alleine gestellt. So müssen sie sich zusätzlich am Turnierablauf beteiligen, als Schiedsrichter beispielsweise. „Wichtig ist vor allem, dass Jugendliche die für sie häufig tote Zeit an Samstagvormittagen vernünftig überbrücken. So können sie schon nicht auf dumme Gedanken kommen", sagt Krombacher und grinst.

Überhaupt keine, Gedanken machen wollen sich Mustafa, Luigi und Osman, drei Straßenfußballer aus dem Hallschlag. „Einfach drauf losspielen, Spaß haben und kein Trainergeschwätz hören", lautet die Motivation der 15-Jährigen, die ihr Team auf den Namen Calcio Pulia Cannstatt getauft haben. Mit ihrer unorthodoxen Taktik „.Jeder wie er will" erreichen sie immerhin das Viertelfinale, wo sie dem späteren Sieger, den Dragons aus Vaihingen, unterliegen.

Empörten Fragen, warum es als Siegprämie nur „olle Sachpreise" gibt, ruft Krombacher den Charakter der Meisterschaft ins Gedächtnis: „He Jungs, ihr seid zum Spaß hier. Schon vergessen?"

Gregor Preiss Stuttgarter Nachrichten 21.06.2004

 

Fußball ganz ohne Spucken

Ein Turnier für Toleranz

Ein kurzes Antäuschen, Dribbeln, Pass, Schuss und Tor-, dann ein kurzer Jubel, und schon geht es weiter: Straßenfußball lebt von der Geschwindigkeit und von vielen Toren.

Wenigstens aüf der Straße wird in Deutschland noch erfolgreich Füßball gespielt. So gab es bei der „Straßenfußball für Toleranz-Europameisterschaft", die direkt vor dem Gottlieb-Daimler-Stadion ausgetragen wurde, gleich drei Europameister.
Die Gewinner durften am Wochenende sogar einen Pokal mit nach Hause nehmen, der der Europameisterschafts-Trophäe nachempfundenen ist:. Die neuen Europameister heißen C.S.H Hallschlag, Portugal die zusätzlich zur fairsten Mannschaft des Turniers gewählt wurden, und Frankreich.

Trotz der, internationalen Namen kommen alle teilnehmenden Mannschaften aus Baden-Württemberg. Insgesamt wurde in drei `Klassen gekickt: im Projekt „Kick-mit" in der Altersklasse 13 bis 17 Jahre, im landesweiten Projekt „Kick forward jung" von zwölf bis 16 Jahren und bei „Kick forward alt" von l 7 bis 21 Jahren. Ausrichter der Veranstaltung waren der Landessportverband Baden-Württemberg mit seinem Straßenfußball-Projekt „Kick forward", der in Stuttgart das Finale seiner landesweiten `Veranstaltung` ausspielte, sowie das Stuttgarter Projekt „Kick mit - Fußball verbindet" vom Sportkreis und vom Jugendhausverein.

Das Besondere am Straßenfußball vor dem Daimlerstadion war, dass es keine Roten Karten gab keine groben Fouls, keine Ausschreitungen. Niemand wurde angespuckt, es war nicht einmal ein Schiedsrichter vonnöten; denn die Mitspieler pfiffen ihre Fouls selbst. „Bei Kick forward und ,Kick mit - Fußballverbindet' stehen soziales Lernen und sportlicher Wettkampf nebeneinander", erklärt Projektleiterin Steffi Biester. „Wir haben ein soziales Regelwerk, das wir vor dem Spiel mit den Spielern durchsprechen. Der Sieg wird nicht nur an Hand der erzielten Tore ermittelt. Auch das Fairplay zählt zum Gesamtergebnis." Zum Regelwerk gehört auch; dass unter den vier Kickern einer Mannschaft mindestens ein Mädchen mitspielt. Etwa 5Q0 Kinder und Jugendliche gaben auf dem zehn mal 15 Meter großen Spielfeld wirklich alles. Denn werweiß schon, wann der einmal die Chance hat, Europameister zu werden.

VON PETER-MICHAEL PETSCH

 

Kick mit:
Schnelle Spiele ohne Torwart

Street-Soccer-Turnier für Zehn- bis 16-Jährige

Bad Cannstatt (bw).

„Kick mit. Fußball verbindet": Unter diesem Motto veranstaltet der Jugendhausverein am Samstag, 3. Juli, zusammen mit dem Projekt "Gemeinschaftserlebnis Sport" ein Street-Soccer-Turnier. Mitmachen können Mädchen und Jungen zwischen zehn und 16 Jahren.

"Gespielt wird drei gegen drei", sagt Thomas Krombacher vom Sportkreis Stuttgart. 24 Mannschaften haben sich bisher zu dem Turnier angemeldet: Eigens für die Veranstaltung bauen die Organisatoren auf dem Parkplatz am Gottlieb-Däimler-Stadion drei Street-Soccer-Courts auf. Auf den Nachbarfeldern läuft parallel dazu ,;Kick forward" - die Fußballeuropameisterschaft des Landessportverbands.

Anstoß ist am Samstag um 11 Uhr. Gespielt wird auf zehn mal 15 Meter großen Feldern. Einen Tortwart gibt es nicht, nach sieben Minuten Spielzeit ist Schluss: „Die Felder sind von einer Bande umgeben", sagt Krombacher. „Dadurch wird das Spiel schnell."

Das „Gemeinschaftserlebnis Sport", ein Projekt, das zahlreiche Vereine, Schulen und Institutionen verbindet, organisiert pro Schuljahr rund 80 Sportveranstaltungen in ganz Stuttgart. Zum ersten Mal findet in diesem Jahr mit dem „Kick mit"-Turnier ein großer Wettbewerb` zum Schuljahresabschluss statt. "Die Idee hatten wir im Hinblick auf die Europameisterschaft und auf die kommende Weltmeisterschaft", sagt Krombacher.

Der Sport sei ein Mittel, um an die Jugendlichen ranzukommen. "Es geht darum, ihnen durch das gemeinsame Spiel Regeln und Sozialkompetenz zu vermitteln", sagt er. Das Konzept scheint aufzugehen: "Inzwischen haben sie gelernt, Spaß zu haben, auch wenn sie verlieren", sagt Krombacher.