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INTERNATIONALER JUGENDAUSTAUSCH STUTTGART – LODZ

LODZ / WARSCHAU / 23.04. - 28.04.2019

Seit über 16 Jahren treffen sich die Jugendlichen aus Lodz und Stuttgart um gemeinsam am abwechslungsreichen Programm teilzunehmen. Zwei mal im Jahr findet eine Begegnung statt: In den Osterferien in Polen und Anfang Oktober in Deutschland.

Die Jugendbegegnung entsteht dank einer gelungenen Kooperation der Kinder- und Jugendhäuser Stammheim und Hausen und des Jugendkulturzentrums Nr 1 in Lodz.

So auch am frühen Morgen des 23.04. traff sich eine Gruppe aus Stuttgart am Stuttgarter Flughafen um gemeinsam nach Polen zu reisen.

Empfang durch die Polnische Gruppe am Warschauer Flughafen war sehr warm und herzlich.

Nachmittags konnte die Deutsch-Polnische Gruppe sich näher kennen lernen und vor allem die für beide Gruppen etwas ungewöhniche Namen der ausländischen Gleichaltrigen Teilnehmer auszusprechen. Noch fühlte sich alles fremd und neu. Etwas misstrauisch und unsicher lernten die Gruppen sich kennen. Aktive Gruppenspiele lockerten die Atmosphäre und trugen zur Entlockerung bei.

Am späteren Abend saßen alle gemeinsam am Kreis, schon etwas mutiger, dennoch verunsichert was auf sie zu kommt. Nach einer kurzen Vorstellung des Programms der weiteren Tage konnte auch die, für diese Begegnung besonders wichtige Frage gestellt werden: Denkt Ihr, dass Unterschiede uns wirklich teilen? Mit dieser Anregung zum Nachdenken konnten alle schlafen gehen.

Am Tag zwei konnte die Deutsche Gruppe endlich die stuttgarter Partnerstadt Lodz kennenlernen. In gemischten deutsch-polnischen Kleingruppen konnte die Stadt durch das Stadtspiel unter dem Motto: "Wir vergleichen unsere Städte" erkundigt werden. Die Gruppen suchten nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten, sie versuchten die Stadt mit Stuttgart zu vergleichen.

Am späten Nachmittag besuchte die deutsch-polnische Gruppe das alte Planetarium - eine Filiale des Jugendkulturzentrums. Nach einem spannenden Unterricht unter dem Sternenhimmel des Planetariums konnte die Gruppe auch auf die Dachterrasse des Gebäude um den Himmel durch ein Telskop zu betrachten. So konnten alle ein Einblick in die tägliche pädagogische Arbeit des Planetarium bekommen.

Abends konnten die Eindrücke refletiert und die Erfahrungen, die beide Gruppen gesammelt haben besprochen und diskutiert werden. Auch das Stadtspiel und die gestellten Aufgaben konnten zusammengefasst und präsentiert werden.

Der dritte Tag der Jugendbegegnung in Lodz konzentrierte sich auf die für beide Gruppen sehr wichtige Geschichte der Stadt Lodz. Ein langer und anstrengender Spaziergang durch die Stadt mit einer erfahrenen Stadtführerin führte die Gruppen durch die wichtigsten und geschichtlich bedeutendsten Plätze der Stadt. Auch die deutsche Gruppe staunte, wie oft sie deutsche Spuren entdecken konnte. Die tragische Geschichte des zweiten Weltkriegs, die Spuren des Holokausts und die unfassbar grausamen Geschichten bewegten die Teilnehmer und brachten sie zum Nachdenken.

Der Weg durch Lodz führte die Gruppe auch zum “Marek Edelman Dialogzentrum”. Das Dielogzentrum ist eine Einrichtung, die sich zum Ziel die Verbreitung von multikulturellen und multiethnischen Erbe von Lodz, unter einer besonderen Berücksichtigung der jüdischen Kultur sowie anderen Kulturen, die einen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hatten, gemacht hat.

Die Stadtführung endete an einer Erinnerungstätte des zweiten Weltkriegs “Bahnhof Radegast”. Der Bahnhof Radegast (poln. Radogoszcz) ist eine ehemalige Bahnstation in Lodz und seit 2005 eine Gedenkstätte des Ghettos Litzmannstadt. Durch jüdische Überlebende wurde am 28. August 2005 ein Denkmal enthüllt, das in Form eines an ein Krematorium erinnernden Turmes mit der Inschrift „Du sollst nicht töten“ entworfen wurde. Ein 140 Meter langer Tunnel der Deportierten, mit den Transportlisten an den Wänden führt vom Bahnhofsgelände dorthin, wodurch der Weg in die Vernichtungslager symbolisiert wird. Sechs große Grabsteine mit den Namen der Vernichtungslager erinnern an die 150.000 Juden, die von Radegast aus in den Tod geschickt wurden und von denen nur wenige überlebten. Ein originalgetreuer Zug der Deutschen Reichsbahn mit drei Waggons steht neben dem Bahnhofsgebäude.

Die Eindrücke des ganzen Tages und die enorme Außentemperatur machten sich bei allen Teilnehmern bemerkbar, umso besser schmeckte das Mittagessen im ökologischen Bildungszentrum „Im Wald“. Hier konnten alle bisschen abschalten, die Eindrücke bearbeiten und die Ruhe genießen. Nach kurzer Erholungspause konnten sich alle bei einem Waldspiel beweisen. Mithilfe einer durch das Jugendzentrum entwickelten App konnte jeder Teilnehmer mit seinem Handy die Punkte im Wald entdecken. Zwei Gruppen konkurrierten miteinander um den in einer Schatztruhe versteckten Preis.

Am späten Nachmittag konnten die Teilnehmer deren kulinarisches Geschick unter Beweis stellen. Die polnische Gruppe bereitete typisch polnische Salate vor, während die deutsche Gruppe einen türkischen Bulgursalat, griechische Tsatziki und einen deutschen Kartoffelsalat zubereitete. Die Gruppen haben über die Wahl der Speisen selbst entschieden und entsprechende Vorbereitung getroffen. Die fertigen Gerichten wurden zur perfekten Ergänzung des Abends am Lagerfeuer.

Auch nach dieser Aktion wurde alle bewusst, dass es keine großen Unterschiede bei der Zubereitung der Speisen gibt und alle Zutaten für beide Gruppe nicht fremd sind. Die Gruppen suchten nach Unterschieden in der deutschen und polnischen Küche und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Unterschiede kaum bemerkbar sind.

Da das Wetter schon sehr sommerlich war, durfte ein gemeinsamer Schwimmbadbesuch am Freitag Vormittag nicht fehlen. Alle konnten deren müden Füße bisschen erholen, denn sie sollten sich auf lange Spaziergänge durch die polnische Hauptstadt Warschau vorbereiten. Am Freitag Nachmittag machte sich die deutsch-polnische Gruppe auf den Weg nach Warschau. Nach dem Check In in einer Jugendherberge machte sich die Gruppe auf den Weg in die Stadt. Hier aßen alle erstmal ein gutbürgerliches Mittagessen.

Auch in Warschau durften paar Stadt-Aufgaben nicht fehlen. In zwei Gruppen aufgeteilt bekamen alle drei Aufgaben, die sich auf die Stadt Warschau bezogen. Die Gruppen sollten außerdem nach gravierenden Unterschieden und Gemeinsamkeiten suchen, die die sich auf die drei Städte: Warschau, Lodz und Stuttgart beziehen. Die Aufgaben konnte während einer Abenddiskussionsrunde in der Jugendherberge präsentiert, besprochen und ausdiskutiert werden.

Nach einem sehr frühen Frühstück am Samstagmorgen machte sich die deutsch-polnische Gruppe auf den Weg in die Warschauer Altstadt. Hier besuchte sie das „Museum von Warschau“. Das Museum von Warschau (polnisch: „Muzeum Warszawy“) ist ein 1936 gegründetes Museum in der Warschauer Altstadt. Bis 2014 hieß es Historisches Museum von Warschau (polnisch: „Muzeum Historyczne m.st. Warszawy“).

Ursprünglich wurde es als eine Zweigstelle des Warschauer Nationalmuseums gegründet. Es bezog damals Räumlichkeiten in drei Häusern an Warschaus Altem Markt: dem Baryczka-Haus, dem Kleinpoldt-Haus und dem Moor-Haus (Hausnummern 32, 34 und 36), die in den Jahren 1937 und 1938 zu diesem Zweck von der Warschauer Stadtverwaltung erworben worden waren. 2014 erhielt das Museum den heutigen Namen. Nach einer mehrjährigen Umgestaltung wurde es 2017 wiedereröffnet. Im Museum konnten die Gruppen viel Wissenswertes aus der bedeutenden Geschichte Polens und Warschaus lernen. Auch hier traten viele gemeinsame Ereignisse aus der Polnischen und Deutschen Geschichte in den Vordergrund.

Nach dem Besuch des Museums und nach den Erlebnissen der letzten Tage zeigte sich deutlich wie stark die beiden Länder miteinander verbunden sind, vor allem die Erlebnisse des zweiten Weltkriegs sollten uns niemals trennen, sondern noch näher bringen!

Am späten Nachmittag saßen alle gemeinsam und dachten darüber nach, was sie in den letzten Tagen erlebten, was sie sie beschäftigte, was machte sie traurig, was machte sie glücklich... Und auch hier stellte sich die Frage: „Was müssen wir mit den Erfahrungen, mit der Geschichte, mit unseren Gedanken tun, damit sie uns nicht teilen, sondern umso stärker werden lassen und einander näher bringen!?“. Jeder durfte in der Runde seine Gedanken los werden, sich darüber austauschen, die letzten Tage reflektieren. Nach dieser ausführlichen Evaluation der Erlebnisse sind alle müde ins Bett gefallen.

Sonntag – der letzte Tag, Tag des Abschieds. Nach dem Frühstück mussten Koffer gepackt und Zimmer geräumt werden. Danach konnte jeder nochmal seine Gedanken während eines Spaziergangs durchs Warschau sammeln und sortieren.

Vor dem Einstieg in den Bus, der die deutsche Gruppe zum Flughafen brachte gab es noch die letzten Worte. Der Abschied fiel allen sehr schwer. Eine traurige Atmosphäre hing in der Luft... Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn im Oktober sehen sich alle wieder! Mit dieser Hoffnung fuhren beide Gruppen nach Hause...

Wir bedanken uns herzlichst bei den Organisatoren und allen Beteiligten! Es war eine tolle Zeit!

DANKESCHÖN! DZIEKUJEMY!

Bericht: Karina Sliwa (KJH Hausen)