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Stuttgart - Lodz

INTERNATIONALE JUGENDBEGEGNUNG
STUTTGART – LODZ In Höfle (Mittelberg/Österreich) und Stuttgart

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Die diesjährige Rückbegegnung mit den Lodzer Jugendlichen fand in Stuttgart im Zeitraum vom 29.09. – 07.10.2017 statt.

Schon seit fünfzehn Jahren treffen sich regelmäßig Gruppen aus Lodz und Stuttgart um gemeinsam Zeit zu verbringen, interessante Diskussionen zu führen und an gemeinsamen Workshops teilzunehmen. Die Jugendbegegnungen werden von den Kinder- und Jugendhäusern Stammheim und Hausen organisiert.

Bereits am Freitagmorgen kam die 12 Köpfige Gruppe aus unserer polnischen Partnerstadt Lodz am ZOB in Stuttgart an.

Nach einer Erholungspause und reichhaltigem Mittagessen im Kinder- und Jugendhaus Stammheim reiste die ca 30 Köpfige deutsch – polnische Gruppe nach Österreich weiter. Nach einer langen Fahrt, angekommen im Höfle (Mittelberg/Österreich) war die erste Hürde des Misstrauens bereits gebrochen. Schnell konnten die Zimmer verteilt und die Koffer ausgepackt werden.

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Um den Kopf frei zu bekommen – die Bergwanderungen

Während des Aufenthalts in Österreich arbeiteten die Gruppen sehr intensiv zusammen und gestalteten das Programm aktiv mit. Neben der aktiven Programmgestaltung in Form von einer Bergwanderung, nahmen alle Teilnehmer an drei Workshops zum Thema: „Verschiedene Facetten von Rassismus“ teil.

Der erste Workshop beschäftigte sich intensiv mit dem aussagekräftigen Begriff „Rassismus“. Nach einem Brainstorming und der gestellten Frage „Was verbindest Du mit dem Begriff „Rassismus“ entstand eine „Gedankenwand“.

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„Gedankenwand“ zum Begriff „Rassismus“

Im zweiten Workshop wurde die gesamte Gruppe in 5 Kleingruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam ein neutrales Portrait einer fremden Person. Die Aufgabe bestand darin, der Person eine Identität zu geben, sich damit beschäftigen, aus welchen Land sie kommen könnte, wer sie ist, was sie beschäftigt, wo sie arbeitet… Die Aufgabe sollte in Form von einer Präsentation vorgestellt und von den Zuschauern analysiert werden.

Hier wurde es sichtbar, dass die Teilnehmer sich bemühten ein neutrales aber trotzdem gesellschaftlich allgemein bekanntes Schema zu benutzen.

Der dritte Workshop zum Thema „Verschiedene Facetten vom Rassismus“ begann mit einem manipulativen Experiment. Alle jugendlichen Teilnehmer wurden gebeten die Hände so zusammenzulegen, dass ein Daumen oben liegt.

Daraufhin wurden diejenigen aussortiert, deren rechter Daumen oben liegt (Minderheit) und auf eine separate Bank gesetzt. Jetzt wurde eine absurde Geschichte erzählt:
„Bis vor kurzem dachte man, dass es keine Bedeutung hat welcher Daumen sich oben befindet beim Zusammenlegen der Hände, jedoch in Amerika wurde vor kurzem Untersuchungen an 500 Menschen durchgeführt, die das Gegenteil beweisen. Die Untersuchungen haben erwiesen, dass die Menschen, die den linken Daumen oben haben intelligenter sind und oft eine Führungsposition haben, während diejenigen, die den rechten Daumen oben haben eher zu der unteren Schicht gehören und oft kriminell werden…“
Die Geschichte wurde immer extremer und hatte als Ziel die sichtbare Spaltung der zwei Gruppen, wobei sich die Minderheit immer unwohler fühlte. Denn auch im Alltag begegnen wir vielen hassgefüllten Aussagen, die unser Tun und Denken negativ beeinflussen, obwohl sie nicht der Wahrheit entsprechen. Dieses Experiment führte zu einer regen Diskussion, wobei es hauptsächlich um Ausgrenzung, Diskriminierung in verschiedenen Bereichen (vor allem im Alltag, Schule, Sport) und um Toleranz ging.

Die Situationen, die genannt wurden, wie bspw. Unterdrückung der Armen oder Schwächeren, Benachteiligung von Behinderten, Diskriminierung der Frauen in Alltagssituationen oder in Bezug auf verschiedene Sportdisziplinen oder Diskriminierung von Ausländern, wurden lange diskutiert.

Im zweiten Teil des dritten Workshops wurden die Teilnehmer in vier Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam als Aufgabe eins der oben genannten Situationen in kurzer Szene in einer Improvisationstheatralischen Form darzustellen. Die anderen Gruppen haben währende der Darstellung erraten sollen, um welche Situation es sich handelt.

Der Aufenthalt in Österreich brachte die Gruppen näher. Die gemeinsamen Küchendienste und Mahlzeiten, kleine Gesprächsrunden in den Zimmern, die Wanderungen und Workshops trugen zum abwechslungsreichen Programm bei.

Am Tag 5 ging die Reise wieder zurück nach Stuttgart.

Die Gruppe aus Lodz konnte hier unter anderem das Jugendinformationsbüro Tips`n´Trips kennenlernen und hier auch an einem interessanten Stadtspiel teilnehmen, um das Stadtzentrum kennen zu lernen. Eine Stadtrundfahrt mit dem City Tour Bus konnte bei dem schönen Wetter auch nicht fehlen. Hier wurden viele interessante Details aus Geschichte Stuttgarts erzählt.

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POLEN - TEAM
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Erlebnispädagogische Gruppenaktionen

Die Abende verbrachten die Gruppen gemeinsam in den Kinder- und Jugendhäusern Stammheim und Hausen. Hier gab es immer einer leckeres Abendessen und ein abwechslungsreiches Programm.

Am Freitagabend war es leider auch soweit; nach einer Evaluation der Begegnung fand ein offizieller Abschluss statt. Danksagungen, Versprechen und Pläne für die weiteren Begegnungen wurden ausgesprochen.

Manche der Teilnehmer verabschiedeten sich bereits am Freitagabend, die anderen begleiteten die polnische Gruppe noch während des offenen Nachmittags am Samstag bis hin zur Abreise am Samstagabend.

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Deutsch – Polnische Freundschaften
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Deutsch – Polnische Freundschaften

Die diesjährige Begegnung zeigte, wie wichtig es ist über Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Toleranz zu sprechen, denn jeder von uns begegnet täglich unterschiedlichen Formen von Rassismus und Diskriminierung.

„Es gibt keine Rassen – es gibt den Rassismus“…

Vielen Dank für die tolle Zeit und die das erfolgreiche Teamwork!

Bericht: Karina Sliwa (Kinder- und Jugendhaus Hausen)