[ Geschäftsbereich „Kinder und Familie“ ]

EIN WOHNZIMMER FÜR DEN RAITELSBERG

Die Sonne scheint durch die großen Fenster des Stadtteil- und Familienzentrums T-RIO 9a. Zwei kleine Kinder spielen friedlich mit einer Holzeisenbahn. Babys liegen in Kinderwägen. Zwei junge Frauen vom Zentrum für Integration kümmern sich um die Schar. Mütter sind keine zu sehen. „Sie lernen gerade Deutsch“, sagt Karin Dünkel. Die Leiterin des Stadtteil- und Familienzentrums bittet zum Gespräch in ihr kleines Büro.

„Der Raitelsberg“ ist eine der ersten planmäßig angelegten Arbeitersiedlungen in Stuttgart. Ende der 1920er Jahre erbaut, erstreckt sich die gut erhaltene Siedlung zwischen Hackstraße und dem Park der Villa Berg. „Rio“, abgekürzt für Raitelsberg im Osten, so nennen seine Bewohner ihr Quartier, in dem viele mit niedrigen Einkommen auskommen müssen. Karin Dünkel wohnt dort, seit sie 2007 von Berlin nach Stuttgart gezogen ist. Die Erzieherin leitet „das Wohnzimmer der Siedlung“ seit seiner Eröffnung im März 2015: „Als wir das Stadtteil- und Familienzentrum – kurz FAZ – im Frühjahr 2015 eröffnet haben, war es noch eine namenlose Einrichtung. Seit dem Sommer heißt es „T-RIO 9a“. Den Gewinner unseres Wettbewerbes haben wir unter 70 Einsendungen ausgewählt. Er hat die Jury überzeugt, weil er so sympathisch mit dem Image unseres Quartieres spielt und unsere Adresse, beziehungsweise die Hausnummer aufgreift.

Das Café bedient alle

Das FAZ füllt eine Lücke hier. Mit seinem Café und Angeboten ist es sofort zum Treffpunkt des Viertels geworden. Vormittags treffen sich hier verschiedene Gruppen und Freundeskreise, nachmittags vermischt sich alles. Unsere Besucher kommen gerne donnerstags zum türkischen Frühstück. Dienstags treffen sich besonders Griechinnen zum Teetrinken. Nachmittags vermischen sich Nationalitäten und Altersstufen im Café. Vom Kind bis zum Senior findet hier jeder seinen Platz. Das ist ein großes Anliegen von mir: Barrierefreiheit im Sinn von „Offene Räume für alle Kulturen“! Es gibt im Quartier so viele Nationalitäten – spontan gezählt waren es an einem Tag 32 verschiedene – für die das FAZ ein Treffpunkt sein soll.

Eine gemeinsame Sprache sprechen

Ich lege Wert darauf, dass man in der Einrichtung respektvoll miteinander umgeht. Im übergreifenden Sinne bedeutet es eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Bei Veranstaltungen achte ich darauf, dass sie den Bedürfnissen des Viertels entsprechen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Mama lernt Deutsch“ – viele Raitelsbergerinnen drücken hier jetzt die „Schulbank“. Unsere Vernissagen und wechselnden Bilder an den Wänden sollen alle Kulturen anregen, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Deshalb laden die Künstler unsere Nutzer auch öfters in ihre benachbarten Ateliers ein. Zur Zeit planen wir weitere Angebote, um die Anwohner für Kunst und eigene kreative Ausdrucksformen zu begeistern. Ein erstes Gemeinschaftswerk ist schon entstanden – eine Landschaft, gemalt von vielen Kindern.

Vielfältige Unterstützung

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Kennt das Quartier wie ihre Westentasche: Einrichtungsleiterin Karin Dünkel mit dem neuen Namensschild des FAZ Raitelsberg.

Das FAZ wird von vielen Seiten sehr unterstützt. Gerade das Steuerungsgremium aus verschiedenen Trägern und auch der Anwohnerrat bringen sich aktiv ein. Sie gestalten das Programm immer wieder neu. So ist zum Beispiel der Winterspielplatz im Haus entstanden. Mittlerweile wird das T-RIO 9a von 13 Ehrenamtlichen unterstützt. Irgendwie ist das ganze Viertel eingebunden. Die Kita „Arche Noah“ gestaltet wechselnde Fensterbilder. Donnerstags spenden Bäcker und Gemüsehändler Lebensmittel für das Mittagessen der Flüchtlingskinder aus der Vorbereitungsklasse der Raitelsbergschule. Die kommen hier regelmäßig zur Hausaufgabenhilfe, die Spenden des SWR-Sinfonieorchesters ermöglicht haben. Dessen Mitglieder betreuen dort teilweise ehrenamtlich. Gerade planen wir ein Café mit Klassikmusik des SWR-Orchesters.

Große Zufriedenheit

Wenn ich an das letzte Jahr zurückdenke, bin ich eigentlich sehr zufrieden. Das FAZ ist wirklich zum Wohnzimmer vieler Raitelsberger geworden… Sie bringen sich ein und organisieren sich selbst. Es macht mich zufrieden, dass ich ihnen dabei helfen kann. Die Raitelsberger nehmen Ratschläge gut an. Und sie machen was draus.“

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