Ein Treffpunkt für Stuttgart NordViele Bürger haben sich beteiligt an Umbau und inhaltlichem Aufbau: Ehrenamtliche Einzelpersonen, professionelle Akteure des Stadtteils und der Stuttgarter Jugendhaus e.V. als Träger des neuen Familien- und Stadtteilzentrum Nord. Im Frühjahr 2006 startete die Realisation eines lang gehegten Wunsches vieler Stadtteilbewohner – einen Treffpunkt zu schaffen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ein Zentrum zu gestalten, zur Entwicklung gemeinsamer Aktivitäten.
Petra Mayr, Koordinatorin: „Das Familien- und Stadtteilzentrum Nord ist eine neue, spannende und anregende Aufgabe für uns. Mit ihr haben wir Neuland betreten: eine Einrichtung für alle! Seit über 50 Jahren sammelt unser Verein wertvolle Erfahrung als Betreiber von Kinder- und Jugendhäusern, in denen wir Heranwachsende vielfältig in die Programmgestaltung einbeziehen. Im Frühjahr 2006 galt es dann, einen Treff für alle Bürger des Stadtteils Nord zu realisieren. Gut, dass wir durch das 25 Jahre alte Kinder- und Jugendhaus Nord und den Hort an der Pragschule auf Kontakte im Stadtteil zurückgreifen konnten. Denn das gehört zum Grundsatz unserer konzeptionellen Herangehensweise im Stadtteil: in Kooperation mit den hauptamtlichen Akteuren und mit Ehrenamtlichen ein handlungsfähiges Netzwerk aufzubauen, in dem die Kräfte des Stadtteils gebündelt werden. Wir nutzen Methoden der Gemeinwesenarbeit, damit die Bewohner selbst für ihren Bürgertreff aktiv werden. Das bedeutet konkret, dass sie das Familien- und Stadtteilzentrum gleichermaßen inhaltlich und organisatorisch gestalten. Wir vom Stuttgarter Jugendhaus e.V. moderieren und koordinieren diesen Prozess hauptamtlich mit einer halben Personalstelle. Das Netzwerk aus hoch engagierten Partnern war schnell gesponnen und funktioniert: Der Runde Tisch als Steuerungsgruppe tagt regelmäßig, der Jugendrat Nord bereitet seinen Programmbeitrag vor. Durch das Engagement der Evangelischen Gesellschaft sowie der beiden Kirchengemeinden St. Georg und Nord entstand ein „Montagstreff“ mit hoch motivierten Anwohnern. Diese stellten in einer aktivierenden Befragung den Bedarf des Nordbahnhofsviertels fest. Mittlerweile hat der Montagstreff eine zentrale Funktion im Bürgertreff übernommen! Schon vor der Eröffnung finden sich interessierte Anwohner zusammen – zum Beispiel im Kochtreff. Hier findet die kulturelle Zusammensetzung des „Stadtteils in Insellage“ einen wunderbar kulinarischen Ausdruck: Ob indisch, afrikanisch oder kroatisch – alle zwei Wochen speisen Kindergarten- und Schulkinder gemeinsam mit dem Kochtreff Gerichte aus aller Welt.
Zu unseren Aufgaben gehörte es auch, den Umbau eines ehemaligen Bistros zum künftigen Bürgertreff zu begleiten. Auch hier haben wir den Stadtteil aktiv eingebunden. Dank ehrenamtlichen Engagements vieler Anwohner und dem Einsatz von Sozialunternehmen realisierten wir mit einem kleinen Budget ein fl exibles Raumkonzept. Nun sind sehr viele Nutzungen möglich. Als „Bauherren“ konnten wir auf Erfahrungen im Verein zurückgreifen und mit einem bewährten Architektenbüro zusammenarbeiten. Dem ehrenamtlichen, persönlich engagierten Einsatz von Architekturstudenten sind viele Besonderheiten zu verdanken. Sie haben sich wirklich mit Herzblut eingesetzt und zum Beispiel robuste, multifunktionale Möbelstücke entworfen. Mein Lieblingsstück ist eine Sitzbank für Erwachsene, die durch Umdrehen zu einer Kinderbank wird. Je nach Bedarf können sich die Bürger im Treff ihre Räume jetzt selbst verändern! Simone Vöhse, Regionalleiterin Stuttgarter Jugendhaus e.V. „Das Familien- und Stadtteilzentrum Nord ist ein exzellentes Beispiel für intensive Kooperationsbeziehungen: Mit dem Einsatz von Stadtteilbewohnern und professionellen Trägern konnten wir die Aufgaben überzeugend schultern. Mein Dank gilt allen, ganz besonders dem Bezirksbeirat Nord, der 15.000 Euro für die Küche spendete.“ Monika Renninger, Pfarrerin ev. Kirchengemeinde Stuttgart Nord „Von Anfang an hat sich unsere Kirchengemeinde am Runden Tisch des Gemeinwesenzentrums beteiligt. Wir arbeiten gerne daran mit, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen, Nationalitäten und Sprachen einen Ort haben, an dem sie miteinander und voneinander lernen und in Achtung leben können. Die biblische Botschaft von Versöhnung und Frieden will gelebt werden! Deshalb gehört das nachbarschaftliche Engagement für uns einfach dazu, gemäß dem biblischen Motto: „Suchet der Stadt Bestes.“ (Jer. 29,7)“ Alfred Nicklaus, Diakon Kath. Pfarrgemeinde St. Georg „In unserem Wohngebiet leben Menschen aus aller Herren Länder. Die unterschiedlichen Religionen, Konfessionen, Sprachen und Kulturen bereichern meinen Horizont. Durch die Begegnung mit ihnen kann ich im Kleinen tun, was im Großen nötig ist: wertschätzender Umgang untereinander, so dass der Friede zwischen den Menschen und Menschengruppen wachsen kann.“ Kleines Lexikon: GemeinwesenarbeitZusammenarbeit mit Akteuren des Stadtteils (z.B. Bewohnern, lokalen Organisationen wie Jugendhäusern, Kirchen und Schulen, Politik, Verwaltung, Wirtschaft). Vernetzung soll Selbsthilfepotenzial aktivieren, sozialen Veränderungen dienen und nachhaltig wirken. Gemeinwesenarbeit ist ein Arbeitsprinzip der Sozialen Arbeit. Sie handelt in Sozialräumen (Nachbarschaften, Stadtteilen und Gemeinden). Die professionellen Fachkräfte verstehen sich als Moderatoren. Sie regen ihre Zielgruppe an, sich aktiv zu beteiligen |