Die Zukunft vor Augen
Es war eine echte Herausforderung: Kinder und Jugendliche für etwas zu begeistern, das es noch nicht gibt. Sie zum Mitmachen anzuregen, für etwas, das in der Zukunft liegt. Sie aktiv zu halten, obwohl die Ergebnisse nicht sofort greifbar sind. Die Beteiligungsprojekte für das neue Kinder- und Jugendhaus Helene P. in Degerloch starteten lange vor der Eröffnung. Jetzt ist die Zukunft mit den Händen greifbar. Das Haus öffnet sich Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und dem Stadtteil.
Terje Lange, Hausleiter des neuen Kinder- und Jugendhauses ist stolz auf seinen Kollegen. Klaus Dieter hat es geschafft, Heranwachsende des Stadtteils über die einjährige Bauphase hinweg für Helene P. zu begeistern. „Wie gewinne ich Jugendliche für das zukünftige Caféteam, wenn weder Theke noch Lounge anzusehen sind?“, beschreibt Dieter die Herausforderung. Es gelang durch geduldige, beständige Werbung. Präsenz im Stadtteil, unzählige Gespräche, viele Projekte und Aktionen sowie Kooperationen mit Schulen, Künstlern, Gremien und Institutionen. Gemeinsam mit Regionalleiter Andreas Dobers verantwortete Dieter
Beteiligungsprojekte für die neue Einrichtung an der Oberen Weinsteige.
Als im Sommer 2005 Bagger der alten Apothekersvilla ans Gemäuer rückten,
nahmen sie Gespräche mit dem Stadtteil auf. „Wir wollten wissen, was
Kinder und Jugendliche aus dem Einzugsbereich Degerloch brauchen.
Was wünschen sie sich? Was gibt es bereits und wo können wir sinnvoll
ergänzen“, beschreibt Andreas Dobers die Aufgabe. Über die Zusammenarbeit
mit den Schulen wurden viele Kinder und Jugendliche informiert. Wer
sich beteiligen wollte – seine Ideen für das künftige Programmangebot
einbringen, seine Gestaltungsvorschläge für das neue Haus – hatte
verschiedene Möglichkeiten. Im März 2006 eröffnete in der Filderschule
ein Beteiligungsbüro. Eine Homepage dokumentierte den Verlauf der
Bauarbeiten und listete die Beteiligungsprojekte auf. An den Schulen
fanden verschiedene Beteiligungs-AGs statt – z.B. eine wöchentliche Dazu beigetragen haben auch zahlreiche erwachsene Degerlocher: Die
bestehenden Institutionen und Einrichtungen des Stadtteils – darunter
die Bücherei, Jugendkunst- und Musikschule, die Handwerkerschaft,
die Stadtteilrunde, der Handels- und Gewerbeverein sowie die Mobile
Jugendarbeit – brachten ihre Ideen und Vorstellungen ein. Wirtschaft
und Privatpersonen förderten die Einrichtung auch konkret: ob Kletterwand
oder Werkzeuge, manches wäre heute noch nicht im Haus… Helene P. konnte
übrigens auch ein Caféteam für sich gewinnen. „Das sind Jugendliche,
die uns schon im Vorfeld viel unterstützt haben – auf dem Maimarkt
Kleines Lexikon: Partizipation/Beteiligung Selbstverantwortung.Gilt als Voraussetzung, um ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Seit 1990 im Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII) Mittelpunkt zahlreicher Paragraphen. In der Offenen Jugendarbeit verstanden als „Teilhabe“. Prozesse, die von Anfang an mit gestaltet werden sollen. Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für bestimmte Vorhaben – sie haben Teil an der Entwicklung von Perspektiven und Lösungen. Ihre eigenen Bedürfnisse und Ansichten sind dabei explizit erwünscht. |