Inhalt und Themen des

Geschäftsberichts 2006

Grußworte Gäste kommen – Freunde gehen Campen im Reitstadion Rat geben. Keine Lösung!
Praxistraining für das Berufsleben Bildung am Nachmittag Reise in unbekannte Welten Bericht aus der Region I
Die Zukunft vor Augen Bericht aus der Region II Eine zauberhafte Vorstellung Bericht aus der Region III
Ein Treffpunkt für Stuttgart Nord Highlights kompakt Blick nach vorn Spender und Sponsoren
Projekt-Steckbrief: Mitmachen in eigener Sache Während auf der Baustelle rund um die ehemalige Apothekervilla im Sommer 2005 die Bagger anrücken, ist der Stuttgarter Jugendhaus e.V. aktiv im ganzen Stadtteil: Von den mehr als 2.000 Heranwachsenden Degerlochs will man wissen, was sie sich vom neuen Kinder- und Jugendhaus wünschen. Denn: Das Angebot der künftigen Einrichtung soll Lücken schließen, Wünsche aufgreifen und Neues realisieren. An den sechs Schulen – neben den vier öffentlichen Einrichtungen auch die freie Waldschule sowie die heilpädagogische Karl-Schubert-Schule – starten Kooperationen. Auf allen Ebenen des Stadtteils wirbt der Stuttgarter Jugendhaus e.V. für das Grundprinzip der neuen Einrichtung: Partizipation. Bereits vor der Eröffnung beteiligen sich über 250 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene inhaltlich und gestalterisch an der neuen Einrichtung. Das Ergebnis: Eine Mischung aus Offenem Angebot und Kursen. Darunter ein neuartiges Technikangebot – Roboter aus Lego programmieren – und in Kooperation mit dem Behindertenzentrum das integrative Angebot „Helping Hands“ für Heranwachsende mit und ohne Handicaps. Projektleitung und Ansprechpartner: Andreas Dobers und Klaus Dieter Förderung: maßgeblich durch die Helene-Pfleiderer-Stiftung Partner: Stadt Stuttgart, Deutsche Telekom Berufsausbildung, alle Schulen des Stadtteils, Stadtteilrunde, Vereine und Verbände, Festo AG & Co. KG, Privatpersonen, Mobile Jugendarbeit (Caritas) Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (6 bis 27 Jahre) Budget: 3 Millionen Euro Extra: Neben den offiziellen Öffnungszeiten offen für Stadtteilbewohner Ausblick 2007: Offizielle Eröffnungsfeier März 2007. Regelprogramm einführen und erweitern – z.B. monatliche Familiensonntage Infos: www.jugendhaus.net/degerloch

Die Zukunft vor Augen

Es war eine echte Herausforderung: Kinder und Jugendliche für etwas zu begeistern, das es noch nicht gibt. Sie zum Mitmachen anzuregen, für etwas, das in der Zukunft liegt. Sie aktiv zu halten, obwohl die Ergebnisse nicht sofort greifbar sind. Die Beteiligungsprojekte für das neue Kinder- und Jugendhaus Helene P. in Degerloch starteten lange vor der Eröffnung. Jetzt ist die Zukunft mit den Händen greifbar. Das Haus öffnet sich Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und dem Stadtteil.

Terje Lange, Hausleiter des neuen Kinder- und Jugendhauses ist stolz auf seinen Kollegen. Klaus Dieter hat es geschafft, Heranwachsende des Stadtteils über die einjährige Bauphase hinweg für Helene P. zu begeistern. „Wie gewinne ich Jugendliche für das zukünftige Caféteam, wenn weder Theke noch Lounge anzusehen sind?“, beschreibt Dieter die Herausforderung. Es gelang durch geduldige, beständige Werbung. Präsenz im Stadtteil, unzählige Gespräche, viele Projekte und Aktionen sowie Kooperationen mit Schulen, Künstlern, Gremien und Institutionen.

Gemeinsam mit Regionalleiter Andreas Dobers verantwortete Dieter Beteiligungsprojekte für die neue Einrichtung an der Oberen Weinsteige. Als im Sommer 2005 Bagger der alten Apothekersvilla ans Gemäuer rückten, nahmen sie Gespräche mit dem Stadtteil auf. „Wir wollten wissen, was Kinder und Jugendliche aus dem Einzugsbereich Degerloch brauchen. Was wünschen sie sich? Was gibt es bereits und wo können wir sinnvoll ergänzen“, beschreibt Andreas Dobers die Aufgabe. Über die Zusammenarbeit mit den Schulen wurden viele Kinder und Jugendliche informiert. Wer sich beteiligen wollte – seine Ideen für das künftige Programmangebot einbringen, seine Gestaltungsvorschläge für das neue Haus – hatte verschiedene Möglichkeiten. Im März 2006 eröffnete in der Filderschule ein Beteiligungsbüro. Eine Homepage dokumentierte den Verlauf der Bauarbeiten und listete die Beteiligungsprojekte auf. An den Schulen fanden verschiedene Beteiligungs-AGs statt – z.B. eine wöchentliche Robotergruppe an der Waldschule, eine Informatik-AG im Wilhelmsgymnasium oder eine Tanzwoche in der Filderschule. In den Herbstferien bot Dieters Kollege Thomas Schäberle zusammen mit ehrenamtlichen Helfern ein Programm aus Zirkus, Technik und Tanz an – es war sofort ausgebucht. „Mit der Waldschule, in deren Räumen wir das Ferienprogramm anboten, kooperieren wir jetzt über die Ferien hinaus. Gemeinsam mit der Schule und einem Sportverein bauen wir einen Stadtteilzirkus auf“, freut sich Dieter. „Das Angebot der neuen Einrichtung bildet tatsächlich die Interessen und die Bedürfnisse der Heranwachsenden des Stadtteils ab: Technik, Sport und Medien stehen hoch im Kurs. Möglich wurde dies nur durch die in diesem Maße einmalige Beteiligungsarbeit“, ergänzt Andreas Dobers.

Dazu beigetragen haben auch zahlreiche erwachsene Degerlocher: Die bestehenden Institutionen und Einrichtungen des Stadtteils – darunter die Bücherei, Jugendkunst- und Musikschule, die Handwerkerschaft, die Stadtteilrunde, der Handels- und Gewerbeverein sowie die Mobile Jugendarbeit – brachten ihre Ideen und Vorstellungen ein. Wirtschaft und Privatpersonen förderten die Einrichtung auch konkret: ob Kletterwand oder Werkzeuge, manches wäre heute noch nicht im Haus… Helene P. konnte übrigens auch ein Caféteam für sich gewinnen. „Das sind Jugendliche, die uns schon im Vorfeld viel unterstützt haben – auf dem Maimarkt oder beim Besichtigungstag im Dezember“, beschreibt Dieter die erfolgreiche Netzwerkarbeit. Zur positiven Zusammenarbeit gehört auch die Ko-operation mit der Mobilen Jugendarbeit, die in den Turm der Einrichtung gezogen ist. Seit der Schlüsselübergabe im Dezember öffnet das Haus schrittweise die Türen. Bereits vor der offi ziellen Eröffnung im März 2007 sind viele Kursangebote ausgebucht. Der Besichtigungstag Ende des Jahres war auf riesiges Interesse gestoßen. Die neuen Räume wurden begeistert aufgenommen: ein Café ohne Kicker, dafür mit Lounge und Internetzugang, mobile Werkstätten mit verschiebbaren Elementen, viel Platz für Kinder und Möglichkeiten für alle Stadtteilbewohner… „Seither schauen viele Degerlocher rein, auch Eltern, Lehrer, Senioren, Architekten“, freut sich Hausleiter Terje Lange. Sein Team nimmt sich viel Zeit für Hausführungen. „Schließlich wollen wir nun den Begegnungsort Helene P. mit Leben füllen“.

Kleines Lexikon: Partizipation/Beteiligung Selbstverantwortung.

Gilt als Voraussetzung, um ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Seit 1990 im Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII) Mittelpunkt zahlreicher Paragraphen. In der Offenen Jugendarbeit verstanden als „Teilhabe“. Prozesse, die von Anfang an mit gestaltet werden sollen. Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für bestimmte Vorhaben – sie haben Teil an der Entwicklung von Perspektiven und Lösungen. Ihre eigenen Bedürfnisse und Ansichten sind dabei explizit erwünscht.